29.10.2009Preise verliehen: 45.000 Euro für Nachwuchswissenschaftler aus Brandenburg | 105/09

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat heute den Nachwuchswissenschaftlerpreis des Jahres 2009 verliehen.

Der seit 2007 jährlich vergebene Preis würdigt mit jeweils 20.000 Euro herausragende Leistungen, die junge Wissenschaftler an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen in Brandenburg in den Fachkategorien Natur- und Ingenieurwissenschaften oder Geistes- und Sozialwissenschaften erbracht haben. Eine weitere Kategorie ist der Absolventenpreis mit einem Preisgeld von 5.000 Euro, das die beste Absolventin oder der beste Absolvent eines Hochschuljahrgangs erhält.

Staatssekretär Dr. Johann Komusiewicz zeigte sich in seinem Grußwort erfreut über die hohe Zahl hervorragender Bewerbungen. „Mit dem Nachwuchswissenschaftler¬preis wollen wir die jungen Talente nicht nur zu exzellenten Leistungen motivieren; wir wollen ihnen auch den Eintritt in die wissenschaftliche community erleichtern. Hierzu leistet nicht zuletzt unsere hochkarätige Jury ihren Beitrag“, so Komusiewicz.

In diesem Jahr werden zwei Preisträger aus dem naturwissenschaftlichen Bereich geehrt: Die Geo-Physikerin Dr.-Ing. Birgit Futterer und der Umweltwissenschaftler Dr. Malte Meinshausen. Beide Preisträger erhalten ein Preisgeld von 20.000 Euro zur freien Verfügung.

Die 32-jährige Geo-Physikerin Dr.-Ing. Birgit Futterer arbeitet als leitende wissenschaftliche Assistentin im Raumstationsexperiment „GeoFlow“ an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Gegenstand ihrer Forschungen sind Konvektionsströmungen im flüssigen äußeren Kern des Erdmantels. Diese sind von grundsätzlicher Bedeutung für das Verständnis und die Vorhersage der Plattentektonik der Erde und damit auch für die Klimatechnik. Sie entwickelte eine Versuchseinrichtung, die im vergangenen Jahr mit dem europäischen ISS-Modul „Columbus“ mit Hilfe des NASA Space-Shuttle „Atlantis“ zur ISS gebracht wurde. Experimente auf der internationalen Raumstation ISS durchführen zu können, sei, so die Jury, selbst für etablierte Wissenschaftler keine Routine. Für die aus diesem Experiment hervorgegangene, mit ihren Mitautoren verfasste Publikation “First identification of sub- and supercritical convection patterns from “GeoFlow”, the geophysical flow simulation experiment integrated in Fluid Science Laboratory” zeichnet das Land Brandenburg Frau Dr. Futterer heute mit dem Nachwuchswissenschaftlerpreis 2009 aus.

Birgit Futterer ist verheiratet und Mutter dreier Söhne.

Der 34-jährige Umweltwissenschaftler Dr. Malte Meinshausen arbeitet seit 2006 als Leiter der Forschungsgruppe PRIMAP („Potsdam Real-time Integrated Model for probabilistic Assessment of emissions Paths“) am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung an der Reduktion von Treibhausgasen. Der Laudator, Prof. Stock, zitierte aus einem der Jury vorliegenden Gutachten über die Arbeiten von Dr. Meinshausen: „Bisher war es in der Klimafolgenforschung nicht möglich, verschiedene Szenarien der Reduktion von Treibhausgasemissionen vergleichend und im Hinblick auf ad hoc definierte Begrenzungen der globalen Erwärmung sinnvoll zu quantifizieren. Erst die von Herrn Alan und Herrn Meinshausen gemeinsam publizierte Idee, dass die globale Erwärmung im Wesentlichen nur von der kumulativ emittierten Menge der Treibhausgase abhängen, hat zu einem neuen Ansatz und […] zu einem Durchbruch in dieser Sache geführt.

Der daraus resultierende so genannte Budgetansatz wird in der internationalen Klimapolitik intensiv diskutiert.“ Der Laudator beglückwünschte das gesamte Team: „Ich hoffe, dass Sie uns noch lange in Potsdam erhalten bleiben und dass Ihre internationalen Verpflichtungen Ihnen immer wieder erlauben, Ihre Potsdamer Basis nicht zu vergessen oder zu vernachlässigen.“

Prof. Dr. Günter Stock verdeutlichte in seinen Laudationes auch, dass Preise nicht nur Auszeichnungen für individuelle Leistungen seien, sondern, insbesondere wenn sie von einem Land ausgelobt seien, immer auch eine Aussage darüber seien, welcher Stellenwert dem Bildungs- und Ausbildungssystem durch ein Land zugewiesen werde. „Ich halte es für ein ausgesprochen gutes Signal, wenn eine Landesregierung solche Auszeichnungen vergibt und auch daran festhält“, betonte der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Der mit 5.000 Euro dotierte Absolventenpreis wurde an Michael Kirsche von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus für seine Masterarbeit „Coexistence and Cooperation for IEEE 802.15.4 powered Wireless Health Care Applications in Scenarios with Dense Radio Conditions“ im Studiengang Informations- u. Medientechnik verliehen. Die in Englisch verfasste Abschlussarbeit untersucht die Möglichkeiten und Probleme des Einsatzes drahtloser Kommunikation im Bereich des Gesundheitswesens für unterschiedliche Anwendungsfelder, z.B. die Rund-um die-Uhr-Erfassung der Gesundheitsdaten von Herzpatienten, älteren Menschen oder der Einsatz in Sportgruppen. Die Arbeit wurde aus einem Praktikumsaufenthalt in Japan entwickelt und hat neben ihrer guten wissenschaftlichen Fundierung hohe praktische Relevanz.

Die Arbeit, so Prof. Gisela Engeln-Müllges in ihrer Laudatio, gehe weit über die Qualität normaler Abschlussarbeiten hinaus. Der 26-Jährige habe mit dieser Masterarbeit seine hervorragende Befähigung zur selbständigen Aufbereitung und Lösung wissenschaftlicher Probleme bewiesen, die eine vielversprechende wissenschaftliche Karriere erwarten lassen.

Die Auswahl der Preisträger traf eine überregional besetzte, ehrenamtlich tätige Jury, der Frau Prof. Dr. rer.nat. Gisela Engeln-Müllges (ehem. Mitglied des Wissenschaftsrates), Frau Prof. Dr. phil. Erika Fischer-Lichte (Mitglied des Wissenschaftsrates), Herr Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner (Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft), Dr. phil. Wilhelm Krull (Generalsekretär VolkswagenStiftung) und Prof. Dr.med. Günter Stock (Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) angehören.

Der Preis ist eingebettet in ein ganzes Maßnahmenpaket des Wissenschaftsministeriums, das die brandenburgische Jugend verstärkt zur Teilnahme an Hochschulausbildung und Wissenschaft anregen soll: Angefangen von zahlreichen Projekten, die darauf abzielen, Schülerinnen und Schüler für ein Studium zu motivieren – wie z.B. die Gemeinschaftsinitiative von Landesregierung und Brandenburger Hochschulen „Studium lohnt“ –, über die gezielte Förderung einzelner Doktoranden durch die Vergabe von Graduiertenstipendien bis zur Unterstützung der Hochschulen beim Aufbau strukturierter Doktorandenausbildungen.

Bereits vor der Preisverleihung fand eine Podiumsdiskussion zum Thema "Wachstum durch Innovation – Keine Zukunft ohne Nachwuchswissenschaftler" statt.

Teilnehmer waren u.a. Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Präsidentin der Universität Potsdam, Prof. Dr. Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Andreas Lendlein, Leiter des Instituts für Polymerforschung der GKSS, Teltow, und Dr.-Ing. E.h. Bernd Pischetsrieder, Volkswagen AG, Präsidium der acatech.

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