29.04.2018Gedenken an Opfer der NS- und SED-Justiz

Neues Fenster: Bild - Ulrike Gutheil - vergrößern ©Die Hoffotografen GmbH

Brandenburgs Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil hat heute gemeinsam mit Bundesjustizministerin Katarina Barley an der Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden teilgenommen und ein Grußwort zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung ‘Auf dem Görden – Die Strafanstalt Brandenburg im Nationalsozialismus und in der DDR‘ in Brandenburg an der Havel gesprochen. In ihrer Rede gedachte sie der Opfer und betonte die Bedeutung der Erinnerung an das Geschehene. „Das ehemalige Zuchthaus Brandenburg-Görden war ein historischer Tatort in der Zeit des Nationalsozialismus, in der sowjetischen Besatzungszone und in der SED-Diktatur – der Geschichte von Repression und Verfolgung im Nationalsozialismus folgten hinter denselben Mauern erneute politische Verfolgung in der unmittelbaren Nachkriegszeit und während der SED-Diktatur. Es ist den Ausstellungsmachern beeindruckend gelungen, einen angemessenen Umgang mit den verschiedenen Phasen der Geschichte dieses Ortes zu finden und dabei sowohl historische Unterschiede nicht zu relativieren als auch persönliche Schicksale angemessen zu würdigen“, so Gutheil. „Die Gedenkstätte in Brandenburg-Görden ist nicht nur ein zentraler Bestandteil der zeitgeschichtlichen Erinnerungskultur des Landes, sie ist auch ein wichtiger Ort der Aufarbeitung und Bildung für nachfolgende Generationen. Hier wird man konkret und unmittelbar an individuelle Schicksale und unzähliges Leid erinnert und kann sich kritisch mit den Auswirkungen von Diktaturen auseinandersetzen. Gerade junge Menschen müssen für die Mechanismen eines Unrechtssystems sensibilisiert werden – und damit auch für die Notwendigkeit, rassistischen und antisemitischen Stimmungen bereits früh entschlossen entgegenzutreten und sich für Toleranz, Demokratie, Pluralismus und Freiheit einzusetzen.“

Die neue Dauerausstellung im ehemaligen Direktorenhaus sowie einem Anbau erzählt mit Fotos, Dokumenten, Objekten, Häftlingsbiografien und zahlreichen Medienstationen die Geschichte des Strafvollzuges von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart, wobei die NS-Zeit und die Zeit der DDR im Zentrum stehen.

Das ehemalige Zuchthaus ist nicht nur als Hinrichtungsstätte für NS-Gegner aus ganz Europa, in der mehr als 2.000 Menschen aus ganz Europa von der NS-Justiz ermordet wurden, sondern auch als exemplarischer Ort eines unmenschlichen und von rassistischen und sozialbiologischen Maßnahmen der Nationalsozialisten geprägten Strafvollzuges eine Gedenkstätte mit internationaler Ausstrahlung. In der DDR gehörte die Strafvollzugsanstalt zu den größten Gefängnissen der DDR, wo neben NS-Belasteten und Kriminellen viele Gegner der SED-Diktatur als Gefangene der schwersten Haftkategorie inhaftiert waren.

Die Gesamtkosten für die Baumaßnahmen und die Ausstellung in Höhe von 1,1 Millionen Euro wurden zu gleichen Teilen vom Land und vom Bund übernommen.

Die 1993 gegründete Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten feiert in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum. Sie betreut als rechtlich selbständige Stiftung des öffentlichen Rechts mit ihren mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Gedenkstätten in den früheren Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück, die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel und im ehemaligen Zuchthaus Brandenburg-Görden sowie die Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald als Außenstelle von Sachsenhausen. Außerdem verwaltet sie treuhänderisch die Stiftung Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam. Künftig wird sie auch den Gedenkort Jamlitz/Lieberose als Außenstelle der Gedenkstätte Sachsenhausen verwalten. Aufgabe der Stiftung ist es, an Terror, Krieg und Gewaltherrschaft und das Leid der Opfer zu erinnern, die Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit diesem Thema zu fördern und ein würdiges Gedenken an die Opfer der Verbrechen der Gewaltherrschaft des NS-Regimes, der sowjetischen Besatzungsmacht und der DDR zu ermöglichen. Das Land Brandenburg fördert die Arbeit der Stiftung in diesem Jahr mit rund 3,5 Millionen Euro, weitere rund 2,9 Millionen Euro kommen vom Bund.

Weitere Informationen: www.stiftung-bg.de

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