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17.09.2017Gedenken an die Opfer des Speziallagers Sachsenhausen

Kulturstaatssekretärin Ulrike Gutheil hat heute in Sachsenhausen (Landkreis Oberhavel) anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Errichtung des sowjetischen Speziallagers der zahlreichen Opfer gedacht. „Die Geschichte des Speziallagers ist eine Geschichte der Unterdrückung und der Verfolgung: Etwa 60.000, oft willkürlich ausgewählte, Menschen wurden zwischen 1945 und 1950 in dem Speziallager unter schlimmsten Bedingungen inhaftiert, mindestens 12.000 von ihnen überlebten nicht. Es ist kaum nachvollziehbar, dass erst Menschen aus Lagern befreit und kurze Zeit später andere Menschen erneut in teilweise dieselben Lager eingesperrt wurden – zum Teil NS-Täter und NS-Belastete, aber in vielen Fällen auch Unschuldige und Minderjährige, in einigen Fällen sogar solche, die bereits vorher in einem Konzentrationslager gelitten hatten. Wir gedenken all derjenigen, die in Sachsenhausen gelitten haben und gestorben sind“, so Staatssekretärin Gutheil. „Sachsenhausen ist ein Synonym für das, was totalitäre Herrschaft im 20. Jahrhundert Menschen zugefügt hat. Das ehemalige Lager ist ein wichtiger Erinnerungs- und Informationsort, um die Geschichte für junge Menschen und zukünftige Generationen wachzuhalten und Möglichkeiten zur Information und Auseinandersetzung zu sichern. Diese Erinnerung ist gerade heute, vor dem Hintergrund vieler Menschen, die weltweit vor Leid, Tod und Unterdrückung fliehen, eine Mahnung, sich klar und eindeutig gegen Unrecht zu wenden und Verfolgten zu helfen.“

Hintergrund:

Der sowjetische Geheimdienst NKWD errichtete ab Frühjahr 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zehn Speziallager, in denen überwiegend deutsche Zivilisten gefangen gehalten wurden. Grundlage dafür war der Befehl Nr. 00315, den das NKWD am 18. April 1945 erließ und der bis 1950 die Grundlage aller Internierungen in der SBZ bildete. Auf dieser Grundlage wurden Personen aufgrund formaler Kriterien ohne Einzelfallprüfung festgesetzt. Ab 1946 wurden in Sachsenhausen darüber hinaus Verhaftete in Schnellverfahren durch sowjetische Militärtribunale verurteilt und festgehalten.

Das Speziallager Nr. 7 befand sich zunächst in Weesow bei Werneuchen (Landkreis Barnim), wurde jedoch im August 1945 auf das Gelände des früheren nationalsozialistischen Konzentrationslagers Sachsenhausen verlegt. Nach der Auflösung der kleineren Lager im Sommer 1948 wurde es in Speziallager Nr. 1 umbenannt. Bis zu seiner Auflösung im Frühjahr 1950 wurden dort rund 60.000 Personen inhaftiert, mindestens 12.000 von ihnen starben an den katastrophalen Haftbedingungen, an Krankheit, Hunger, psychischer und physischer Entkräftung. Bei den Inhaftierten handelte es sich vorwiegend um untere Funktionäre des NS-Regimes, aber auch Mitarbeiter aus Verwaltung, Polizei, Justiz und Wirtschaft sowie SS-Personal aus den Konzentrationslagern. Unter den Häftlingen befanden sich außerdem politisch Missliebige und willkürlich Verhaftete sowie von sowjetischen Militärtribunalen Verurteilte.

Im Jahr 2001 eröffnete die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten das Museum ‘Sowjetisches Speziallager Sachsenhausen Nr. 7/ Nr. 1 (1945-1950)‘. Der Jahrestag der Ankunft der ersten Inhaftierten in Sachsenhausen am 10. August 1945 wird von den ehemaligen Häftlingen und ihren Angehörigen seit Anfang der 1990er Jahre als Gedenktag für die Opfer des Speziallagers begangen.

Weitere Informationen: www.stiftung-bg.de

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