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09.09.2017Gedenken an die Opfer des Lagers Mühlberg

Kulturministerin Martina Münch hat heute an der Gedenkveranstaltung der Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V. zu Ehren der Opfer des nationalsozialistischen Kriegsgefangenenlagers Stalag IVB und des sowjetischen Speziallagers Nr. 1 in Mühlberg/Elbe (Landkreis Elbe-Elster) teilgenommen und der zahlreichen Opfer der beiden Lager gedacht. „Die zweifache Geschichte des Lagers in Mühlberg – zuerst als nationalsozialistisches Kriegsgefangenenlager und danach als sowjetisches Speziallager – ist eine Geschichte der Unterdrückung und der Verfolgung: Zehntausende wurden zwischen 1939 und 1948 in dem Lager unter schlimmsten Bedingungen inhaftiert, rund 10.000 von ihnen überlebten nicht. Wir gedenken all jener, die in Mühlberg gelitten haben und gestorben sind. Und ich danke den Organisatoren, deren sensibler Umgang mit der schwierigen Geschichte des Ortes ein gemeinsames Gedenken der beiden Opfergruppen möglich gemacht hat“, so Ministerin Münch. „Der Gedenkort in Mühlberg ist zugleich eine Stätte der Erinnerung und der historisch-politischen Bildung. Die Aktivitäten der Initiativgruppe und vieler engagierter Bürgerinnen und Bürger vor Ort tragen dazu bei, Geschichte für junge Menschen und zukünftige Generationen wachzuhalten. Diese Erinnerung ist gerade heute, vor dem Hintergrund vieler Menschen, die weltweit vor Leid, Tod und Unterdrückung fliehen, eine Mahnung, sich gegen Unrecht zu wenden und Verfolgten zu helfen.“

Das Kriegsgefangenen-Stammlager IV B wurde 1939 zwischen der Stadt Mühlberg/Elbe und dem Dorf Neuburxdorf von der Wehrmacht errichtet. Es diente bis 1945 als Durchgangs- und Sammellager gefangener Soldaten aus fast allen Krieg führenden Nationen. Im Lager waren zeitweise bis zu 16.000 Soldaten untergebracht. Etwa 3.000 Kriegsgefangene kamen ums Leben, die meisten davon aus der Sowjetunion. Die verstorbenen Kriegsgefangenen der meisten Nationen wurden während des Krieges auf dem Soldatenfriedhof Neuburxdorf in Einzelgräbern bestattet, die Sowjetsoldaten beerdigte man zum großen Teil in Massengräbern. Das Lager wurde am 23. April 1945 von der Roten Armee befreit.

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Lager vom September 1945 bis 1948 als Speziallager Nr. 1 Mühlberg der sowjetischen Geheimdienste NKWD und SMERSCH betrieben. Etwa 22.000 Personen wurden in dieser Zeit inhaftiert, von denen etwa 7.000 die Gefangenschaft nicht überlebten. Der NKWD errichtete ab Frühjahr 1945 in der sowjetischen Besatzungszone zehn Speziallager, in denen überwiegend deutsche Zivilisten interniert wurden. Grundlage der Einrichtung dieser Speziallager war der NKWD-Befehl 00315 vom 18. April 1945. Sein Ziel bestand in der „Säuberung des Hinterlandes der kämpfenden Truppen der Roten Armee von feindlichen Elementen“. Im Vergleich zur Praxis der alliierten Besatzungsmächte internierte der NKWD einen wesentlich größeren Personenkreis, den er auf der Grundlage dieses Befehls als ‘gefährlich‘ einstufte. Eine wesentliche Funktion der Lager bestand in der Durchsetzung des stalinistischen Herrschaftsanspruchs. Bei den Inhaftierten handelte es sich um Kriegsgefangene, NS-Funktionsträger, Angehörige von Polizei, Justiz und Verwaltung, politisch Missliebige sowie willkürlich Denunzierte.

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