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10.07.2017ADGB-Bundesschule in Bernau und Laubenganghäuser in Dessau gehören zu Bauhaus-Welterbestätten

Die UNESCO-Welterbestätte Bauhaus ist erweitert. Auf seiner 41. Sitzung hat das Welterbekomitee der UNESCO im polnischen Krakau entschieden, die Welterbestätte Bauhaus um die, unter der Leitung des zweiten Bauhausdirektors Hannes Meyer gebauten, Laubenganghäuser in Dessau (Sachsen-Anhalt) sowie die Bundesschule ADGB in Bernau bei Berlin (Brandenburg) zu erweitern.

Das Bauhaus revolutionierte als Hochschule für Gestaltung zwischen 1919 und 1933 die architektonischen und ästhetischen Auffassungen zu Architektur und Gestaltung und prägte maßgeblich die Bewegung der Moderne. Den außergewöhnlichen universellen Wert der pädagogischen Ideen und der ausgeführten Architektur zeichnete die UNESCO erstmals im Jahr 1996 mit der Aufnahme der Bauhausstätten in Weimar und Dessau in die Liste des Welterbes aus.

Damit wird die Welterbestätte Bauhaus durch Bauten in den drei Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg gebildet. Sie umfasst in Weimar die ehemalige Kunstschule, die ehemalige Kunstgewerbeschule und das Haus Am Horn, in Dessau das Bauhausgebäude, die Meisterhäuser und die Laubenganghäuser sowie in Bernau bei Berlin die ehemalige Bundesschule des ADGB. Hannes Meyer, der Walter Gropius als Bauhausdirektor nachfolgte (1928 – 1930) verwirklichte in der Bauabteilung des Bauhauses die Idee der kollektiven Arbeit an einem Bauprojekt im Rahmen der Ausbildung. In Meyers Konzept wurden die Bauten auf Grundlage einer wissenschaftsbasierten Entwurfsmethodik und funktional-ökonomische Gestaltung mit sozialem Anspruch geplant. Die Laubenganghäuser in Dessau sind ein Zeugnis für den wesentlichen Beitrag des Bauhauses zum sozialen Wohnungsbau der Zwischenkriegszeit und die Bundesschule des ADGB in Bernau, an der neben Hannes Meyer maßgeblich auch Hans Witwer mit gewirkt hat, dokumentiert die Entwurfsmethodik für ein komplexes Bauprogramm in Verbindung zur umgebenden Landschaft.

Der Antrag zur Erweiterung der UNESCO-Welterbestätte Bauhaus wurde unter Federführung des Landes Sachsen-Anhalt und der Stiftung Bauhaus Dessau gemeinsam von den Ländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg eingereicht.

Monika Markgraf, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Denkmalpflegerin an der Stiftung Bauhaus Dessau, die über drei Jahre die gemeinsame Antragsstellung koordiniert und fachlich begleitet hat, freut sich: „Neben der Architektur von Walter Gropius wird damit auch der Beitrag, den Hannes Meyer am Bauhaus für die Architektur im 20. Jahrhundert geleistet hat, gewürdigt. Er reformierte das Bauhaus, prägte die Ausbildung der Architekten und unter seiner Leitung entstand Architektur von herausragender Qualität, die auch heute überzeugt. Wir freuen uns daher sehr, dass das Welterbekomitee unseren gemeinsamen Antrag stattgegeben hat.“

Die Laubenganghäuser in Dessau:

Die Laubenganghäuser in der Siedlung Dessau-Törten entstanden 1930 nach einem Entwurf der Bauabteilung des Bauhauses unter der Leitung von Hannes Meyer. Die Bauten liegen im Gebiet der Siedlungserweiterung, die ebenfalls von Meyer und der Bauabteilung geplant war und die mit der Kombination von mehrgeschossigen Laubenganghäusern und eingeschossigen Einfamilienhäusern eine städtebauliche und soziale Durchmischung anstrebte. Hannes Meyer hat die Laubenganghäuser als erste wirkliche „ Kollektivarbeit“ bezeichnet, in der Studierende, die für ihre Arbeit bezahlt wurden, Entwurf, Bauleitung und Abrechnung bearbeiteten. Mit dem sozialen Anspruch, preiswerten Wohnraum zu schaffen, wurde aus der funktionalen Optimierung der Grundrisse und der Konstruktion eine sachliche Gestaltung mit äußerster Reduktion der Materialien und Bauteile entwickelt. Die unverputzte Konstruktion zeigt ihre Materialität und den industriellen Herstellungsprozess und überzeugt noch heute durch Klarheit und sorgfältige Detaillierung.

Die fünf identischen, kubischen Baukörper aus rotem Backstein unter flachem Dach sind an der Nordseite über einen vorgelagerten, ursprünglich nach Norden voll verglasten Treppenturm und die Laubengänge aus Beton mit filigranem Geländer gegliedert. Die Südseite der Riegel weist horizontale Betonbänder und unterschiedliche Fenstergrößen auf, deren Lage und Gestaltung den Funktionen der Räume entspricht. Die Wohnräume öffnen sich mit großen Fenstern nach Süden, die Schlafräume bieten mit hohen Brüstungen unter den Fenstern zusätzliche Stellfläche und die Nebenräume wie Bad und Küche sind nach Norden orientiert. Alle Fenster ermöglichen es durch unterschiedlich große Öffnungsflügel, die Räume entsprechend dem Bedarf zu lüften. Es entstanden 90 Wohnungen mit je 48 Quadratmetern Wohnfläche in den dreigeschossigen Zeilen. Die hohe Lebensqualität in den kleinen Wohnungen mit optimierten Grundrissen wurde durch eine gute technische Ausstattung mit Bad einschließlich emaillierter Wanne, Zentralheizung mit Kohleboxen und Müllabwurfanlage möglich. Darüber hinaus standen Kellerräume, Fahrradboxen und Mietergärten sowie gemeinschaftlich genutzte Waschhäuser mit Trockenplatz und Kinderspielplatz zur Verfügung. Die Minimierung der Wohnungsgrundrisse bei gleichzeitigem Angebot von gemeinschaftlich nutzbaren Flächen zeigt das soziale Anliegen des Bauhauses unter Hannes Meyer. Die Häuser befinden sich nach wie vor im Eigentum einer Genossenschaft werden nahezu unverändert als Wohnraum genutzt.

Die Laubenganghäuser sind ein herausragendes Zeugnis für die Ausbildung sowie die Auffassung von Architektur und Gestaltung am Bauhaus unter Hannes Meyer. Die wissenschaftsbasierte, entschieden funktionalökonomische Planung mit sozialem Anspruch führt dabei mit ihrer Knappheit und Sachlichkeit zu einem markanten, klaren Erscheinungsbild von hoher architektonischer Qualität. Die Bauten sind deshalb zusammen mit der ehemaligen Bundesschule des ADGB in Bernau bei Berlin (Hannes Meyer und Hans Wittwer unter Mitwirkung der Bauabteilung des Bauhauses) für die Aufnahme in die Welterbestätte Bauhaus nominiert.

Fakten zu den Laubenganghäusern:

  • Adresse: Peterholzstraße 40, 48, 56, Mittelbreite 6, 14, 06849 Dessau-Roßlau
  • Architekt: Hannes Meyer mit der Bauabteilung des Bauhauses
  • Auftraggeber: Dessauer Spar- und Baugenossenschaft
  • Baujahr: 1930
  • Nutzung 1930: 90 Wohnungen
  • Eigentümer 2016: Dessauer Wohnungsgenossenschaft
  • Nutzung 2016: 89 Wohnungen und eine Museumswohnung
  • Zugänglichkeit 2016: Besichtigung einer Museumswohnung im Rahmen von öffentlichen Führungen der Stiftung Bauhaus Dessau

Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Bernau bei Berlin:

Das Gelände der ehemaligen Bundesschule des ADGB befindet sich in einem Waldstück nordwestlich der Stadt. Das Areal, in dem das Ensemble aus dem Schul- und Internatsbau mit Turnhalle und Unterrichtsräumen, der separaten Reihenhausgruppe der Lehrerwohnungen und einem Transformatorenhäuschen in die Landschaft eingebettet liegt, wird durch die Fritz-Heckert-Straße bzw. den Hannes-Meyer-Campus erschlossen. Heute sind die ehemals zugehörigen Sportanlagen jenseits des baumumstandenen, angrenzenden kleinen Grundwassersees erneuert, das Gelände nördlich und westlich der ADGB-Bundesschule durch einen weiteren, z.T. denkmalgeschützten Schulkomplex erweitert.

Die Baugruppe der Schul- und Internatsräume in gelbem Verblendklinker ist über einem annähernd Z-förmigen Grundriss von Südwesten nach Nordosten in dem leicht abfallenden Gelände gestaffelt. Die Anordnung der Bauten folgt einerseits der Topografie, andererseits einem streng funktionalen Prinzip. Die Nutzungsarten werden in unterschiedlichen Baukörpern untergebracht, die in einer sinnvollen Abfolge miteinander verbunden sind: Im Anschluss an den kubischen Kopf- und Eingangsbau mit dem Auditorium und dem großen Speisesaal erschließt ein den gesamten Internatstrakt begleitender, verglaster Gang die aufeinander folgenden fünf blockartigen Baukörper des Gemeinschafts- und Wohnbereichs. Den Endpunkt dieser Wegachse bildet der zweigeschossige Schulkomplex aus Turnhalle mit darüber angeordneten Seminarräumen und dem vorgelagerten eingeschossigen Flachbau der Bibliothek. Konstruiert wurde die Bundesschule des ADGB als eine Kombination aus Stahlbeton und tragenden Mauerwerkselementen. Es entstand eine Fassadengliederung in ruhiger Struktur aus horizontalen, betonsichtigen Stürzen und Ringbalken und einer Kombination aus Mauerwerksstützen und Wandscheiben. Alle Mauerwerksflächen des Ursprungsbaus sind im Ockerton der Klinker gehalten. Der in der Mitte der 1950 Jahre umgestaltete, jüngst sanierte Kopf- und Übergangsbau zur benachbarten Schulerweiterung setzt sich in rotbraunem Klinker ab. Raumnutzung und Fenstergestaltung stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander: Fensterbänder markieren Bereiche wie Schulräume oder Flure, die im Inneren durch unterschiedliche Farben abgesetzten Wohnbereiche für die Schüler werden durch Lochfassaden mit mehrfach geteilten, nahezu quadratischen Fenstern charakterisiert. Lichtdurchlässige, aber blickdichte Glasbausteinfelder kennzeichnen das Foyer und die Sanitärbereiche. Die Reihe der benachbarten Lehrerwohnhäuser und das Transformatorenhäuschen übernehmen diese Grundstruktur in Materialität und Anmutung.

Die ehemalige Schule für Fortbildungen des ADGB dokumentiert den wissenschaftlich begründeten Entwurfsprozess am Bauhaus unter Hannes Meyer, der auch von sozialpolitischen Aspekten geprägt war, und ist ein einmaliges Beispiel für die am Bauhaus angestrebte Einheit von Forschung, Praxis und Lehre. Der stark durchrationalisierte Bau weist eine komplexe Verbindung von Architektur und Natur auf und überzeugt durch außergewöhnliche architektonische Qualität.

Fakten zur Bundesschule:

  • Adresse Schulgebäude: Hannes-Meyer-Campus 1 / Lehrerwohnhäuser: Hannes-Meyer-Campus 5 – 11 / Transformatorenhaus: Hannes-Meyer-Campus 11, 16311 Bernau bei Berlin
  • Architekt: Hannes Meyer mit Hans Wittwer und der Bauabteilung des Bauhauses
  • Auftraggeber: Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
  • Baujahr: 1928 – 1930
  • Nutzung 1930: Gewerkschaftsschule mit Internat und Lehrerwohnungen
  • Eigentümer 2016: Stadt Bernau / Verfügungsberechtigte: Handwerkskammer Berlin (Erbbaupacht für die Schule) und Land Brandenburg (Erbbaupacht für die Wohnhäuser)
  • Nutzung 2016: Internat zur Ausbildung im Handwerk
  • Zugänglichkeit 2016: Besichtigung mit Führungen (www.bauhaus-denkmal-bernau.de)

Die Antragsteller und ihre Partner:

  • Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt
  • Stiftung Bauhaus Dessau
  • Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
  • Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt
  • Wohnungsgenossenschaft Dessau e.G.
  • Land Brandenburg Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur
  • Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches
  • Landesmuseum
  • Handwerkskammer Berlin
  • baudenkmal bundesschule bernau e.V.
  • Stadt Bernau bei Berlin
  • Thüringer Staatskanzlei
  • Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie

Der Antrag wurde erarbeitet unter der Federführung der Stiftung Bauhaus Dessau durch Brenne Architekten, Berlin.

Welterbestätte Bauhaus:

Die Welterbestätte Bauhaus Weimar, Dessau und Bernau Die Welterbestätte Bauhaus wurde 1996 in die Liste des Welterbes eingetragen. Sie umfasste bisher in Weimar die ehemalige Kunstschule, die ehemalige Kunstgewerbeschule und das Haus Am Horn, in Dessau das Bauhausgebäude sowie die Meisterhäuser. Die ehemalige Kunstschule und die ehemalige Kunstgewerbeschule in Weimar entstanden 1902 – 1911 nach Plänen des Architekten Henry Van De Velde, dem früheren Leiter der Kunstgewerbeschule. Die Bauten bilden die Keimzelle des Bauhauses. Durch Zusammenlegung dieser beiden Institutionen schuf Walter Gropius 1919 das Bauhaus und von hier erhielt die Erneuerung in Kunst und Architektur maßgebliche Impulse. Das Haus Am Horn ist im Rahmen der großen Bauhausausstellung 1923 als Musterhaus entstanden. Der Experimentalbau entstand nach Plänen des Bauhäuslers Georg Muche und wurde mit Produkten aus den Bauhauswerkstätten ausgestattet. Es ist die einzige bauliche Hinterlassenschaft des Bauhauses in Weimar. Das Bauhausgebäude in Dessau ist ein gebautes Manifest der Bauhaus-Ideen und ein zentrales Werk der europäischen Moderne. Es repräsentiert die Abkehr von traditioneller Gestaltung und die Entwicklung der modernen Architektur aus den damals neuen Materialien wie Stahl und Glas, der Orientierung der Gestaltung an den Funktionen und an einfachen geometrischen Formen. Die Meisterhäuser in Dessau sind eine besondere baukünstlerische Leistung des Bauhauses. Sie dokumentieren in der Auseinandersetzung mit serieller Bauweise das soziale Anliegen des Bauhauses und haben eine besondere Bedeutung als Lebens- und Arbeitsort von herausragenden Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Feininger, Kandinsky und Klee.

Die Bauhausbauten repräsentieren die Klassische Moderne in einzigartiger Weise und prägen das Bild der Moderne im 20. Jahrhundert wesentlich. Das Bauhaus als Schule hat das Denken und Handeln in Architektur und Kunst im 20. Jahrhundert revolutioniert. Ohne den Beitrag des zweiten Bauhausdirektors Hannes Meyers ist das Bauhaus nicht in seiner ganzen Komplexität zu verstehen. Er reformierte die Ausbildung am Bauhaus und seiner Leitung entstanden die einzigen Zeugnisse der kollektiven Arbeit an einem Bauprojekt im Rahmen der Ausbildung. Die charakteristische architektonische Qualität der Laubenganghäuser in Dessau und der ehemaligen Bundesschule des ADGB in Bernau wird durch eine wissenschaftsbasierte Entwurfsmethodik und funktional-ökonomische Gestaltung mit sozialem Anspruch verwirklicht. „Sie (die Bauhausbauten) sind deshalb bedeutende Denkmale nicht nur der Kunst-, sondern auch der Ideengeschichte unseres Jahrhunderts. Mögen sich die ins Politische und Soziale zielenden gesellschaftsreformerischen Ideen des Bauhauses auch als Wunschträume erwiesen haben – seine Utopie wurde doch zumindest insoweit Wirklichkeit, als sie Architektur entstehen ließ, die durch ihre sachliche Freundlichkeit bis heute in ihren Bann schlägt und als kulturelles Erbe des zu Ende gehenden 20. Jahrhunderts den Menschen aller Nationen gehört.“ (aus der Beschreibung des Herausragenden Universellen Wertes der Welterbestätte Bauhaus)

UNESCO:

Die UNESCO ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit Sitz in Paris und umfasst 195 Mitgliedstaaten. Sie wurde im November 1945 gegründet und hat die Aufgabe, „durch Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Völkern in Bildung, Wissenschaft und Kultur zur Wahrung des Friedens und der Sicherheit beizutragen". Ein Instrument dazu ist das 1972 beschlossene "Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt". Auf dieser Grundlage führt das Welterbekomitee eine Welterbeliste, die Zeugnisse vergangener Kulturen, künstlerische Meisterwerke und einzigartige Naturlandschaften erfasst, deren Untergang ein unersetzlicher Verlust für die gesamte Menschheit wäre. Sie zu schützen, liegt daher nicht allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, sondern ist Aufgabe der Völkergemeinschaft. Die Welterbeliste umfasst derzeit über 1052 Natur- und Kulturstätten in 165 Ländern der Welt, Deutschland ist auf der Liste mit 41 Welterbestätten vertreten.

Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt:

„Sachsen-Anhalt ist das Land der Moderne. Am Vorabend des großen Bauhaus-Jubiläums im Jahr 2019 schließt diese wichtige Entscheidung der UNESCO eine wesentliche Lücke, bringt uns die Errungenschaften des Bauhaus im Bereich des sozialen Wohnungsbaus ebenso in den Blick wie die für die Architektur seither weltweit wegweisenden Entwurfstechniken, die in Dessau entwickelt wurden. Mit vier UNESCO-Welterbestätten ist Sachsen-Anhalt eine wahre Schatztruhe für kulturell interessierte Menschen. Das Land hat alle UNESCO-Bewerber aus Sachsen-Anhalt umfänglich unterstützt. Diese Anträge erfordern großen zeitlichen Vorlauf und intensive Forschungsarbeiten. Wir freuen uns deshalb sehr, dass mit den Dessauer Laubenganghäusern nun ein wichtiges Stück Moderne auf die Liste des Erbes der Welt eingetragen werden wird und gratulieren der Stiftung Bauhaus Dessau zu diesem Erfolg.“

Dr. Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau:

„Junge Menschen kommt ans Bauhaus“, Hannes Meyer richtete als Direktor ab 1928 das Bauhaus neu aus. Unter dem gesellschaftlichen Leitgedanken „Vom Luxusbedarf zum Volksbedarf“ stärkte er das Arbeiten im Kollektiv und achtete genau auf die Zusammensetzung der Kollektive: je unterschiedlicher die Fähigkeiten der Mitwirkenden, desto leistungsfähiger das Team. Die Aufnahme seiner, im Kollektiv entstandenen Bauhaus-Architektur in das UNESCO-Welterbe beweist die große Bedeutung seiner Arbeitsweise.“

Monika Markgraf, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Denkmalpflegerin an der Stiftung Bauhaus Dessau:

„Neben der Architektur von Walter Gropius wird damit auch der Beitrag, den Hannes Meyer am Bauhaus für die Architektur im 20. Jahrhundert geleistet hat, gewürdigt. Er reformierte das Bauhaus, prägte die Ausbildung der Architekten und unter seiner Leitung entstand Architektur von herausragender Qualität, die auch heute überzeugt. Wir freuen uns daher sehr, dass das Welterbekomitee unseren gemeinsamen Antrag stattgegeben hat.“

Dr. Martina Münch, Kulturministerin Land Brandenburg:

„Mit der Aufnahme der ADGB Bundesschule in Bernau in die Welterbeliste der UNESCO verfügt das Land Brandenburg – nach den preußischen Schlössern und Gärten – bereits über ein zweites Weltkulturerbe. Ich freue mich sehr, dass wir erfolgreich mit unserem Antrag waren und nun Teil des Bauhaus-Welterbes sind. Bei der ehemaligen ADGB-Bundesschule in Bernau handelt es sich um eines der bedeutendsten Gebäude der Bauhaus-Schule weltweit. Die Anlage mit Internat, Schulungsräumen, Lehrerhäusern und Freiflächen steht für sozialpädagogische Ideen des Bauhauses und verbindet auf ideale Weise modernes Wohnen, Lernen und Erholung in einem weitgehend naturbelassenen Landschaftsraum. Die Bernauer Gewerkschaftsschule wird – neben weiteren Orten in Brandenburg wie dem Cottbuser Dieselkraftwerk – ein zentraler Ort bei den Veranstaltungen zum 100. Jahrestag der Gründung des Bauhauses im Jahr 2019 sein.“

Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin:

„Wir freuen uns über die Aufnahme der Bundesschule des ADGB, Bernau, in die Liste der UNESCO-Welterbestätten. Die Handwerkskammer Berlin nutzt den historisch bedeutsamen Meyer-Wittwer-Bau als Internat, in dem jährlich mehr als 8.000 Gerüstbau-Auszubildende übernachten. Auch zukünftig wird der Meyer-Wittwer-Bau für Bildungszwecke genutzt. Die Bildungsstätte bleibt damit dem Bauhaus-Grundgedanken verbunden, dass nur das Handwerk, nicht aber die Kunst lehrbar ist.“

Friedemann Seeger, Vorsitzender des vereins baudenkmal bundesschule bernau:

„Mit der Eintragung des Bauhaus Denkmals Bundesschule Bernau in die Welterbeliste der UNESCO ist nicht nur ein großes traumhaftes Ziel für die Stadt und die Region erreicht, sondern auch das unermüdliche, über 27 Jahre engagierte Bemühen seines Vereins baudenkmal bundesschule bernau belohnt worden. Es erfüllt uns mit großer Freude, dass wir durch unsere ehrenamtliche Arbeit zu diesem Erfolg beitragen konnten und das in der Öffentlichkeit nahezu unbekannte Baudenkmal der Klassischen Moderne diese ihm nun gebührende weltweite Würdigung erfährt. Als Stadt mit einem Weltkulturerbe verbinden wir als Verein auch die Chance und Verpflichtung, zur Weltoffenheit und Völkerverständigung beitragen zu können.“

André Stahl, Bürgermeister der Stadt Bernau bei Berlin:

„Wir freuen uns außerordentlich, dass die ehemalige Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) in Bernau in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde und nun Teil der bereits seit 1996 bestehenden Welterbestätte Bauhaus ist. Das ist der lang ersehnte Lohn der Tüchtigen. Seit mehr als 25 Jahren engagieren sich viele Menschen aus der Region für die Rekonstruktion und den Erhalt des Bauhaus-Denkmals Bundesschule Bernau. Die Stadt Bernau hat sich hier unabhängig von dem UNESCO-Antrag finanziell stark beteiligt, gerade auch im Zusammenhang mit der 2011 gegründeten Stiftung Baudenkmal Bundesschule Bernau, der derzeitigen Sanierung der Außenanlagen und der Planung für ein Besucherzentrum. Der Welterbestatus wird ganz sicher dazu beitragen, diesen weitestgehend noch immer verborgenen ‚Schatz vor den Toren der Hauptstadt‘ einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.“

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