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31.03.2017Stadt und Verein unterzeichnen langjährigen Nutzungsvertrag zum Alexander Haus

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Burkhard Exner, Bürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam, und Moritz Gröning, Vorstand des Vereins Alexander-Haus e.V., unterzeichneten heute den Nutzungsvertrag für das Alexander Haus. Nach längerem Leerstand wird der ehemalige Sommersitz der jüdischen Ärztefamilie in Groß Glienicke wieder zu neuem Leben erweckt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Wir freuen uns, dass sich der Kreis jetzt endlich schließt. Als Landeshauptstadt Potsdam unterstützen wir das Vorhaben und sehen uns in der Verantwortung einen großen Teil in dieses Projekt einzubringen, damit das Sommerhaus der Öffentlichkeit zukünftig als ein Ort der Begegnung zur Verfügung steht“, sagt Burkhard Exner. „Hier kann die deutsch-jüdische und deutsch-deutsche Geschichte mit viel Engagement des Vereins und seiner Mitglieder erlebbar werden.“

„Wir freuen uns sehr, mit der Landeshauptstadt Potsdam einen langfristigen Nutzungsvertrag für das Alexander Haus abschließen zu können und danken der Kommunalpolitik und der Verwaltung für ihre nachhaltige Unterstützung“, betont Thomas Harding, Vorsitzender des Alexander-Haus e.V. und Urenkel von Dr. Alfred Alexander. „Unser Fokus ist es jetzt, die Instandsetzung des ursprünglichen Sommerhauses abzuschließen, es für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und das Grundstück als Ganzes zusammen mit unseren Partnern zu einem Ort der Bildung und Versöhnung zu entwickeln.“

Kulturministerin Martina Münch begrüßt die heutige Unterzeichnung des Nutzungsvertrages zwischen der Landeshauptstadt Potsdam und dem Verein Alexander-Haus. „Das Alexander Haus ist mit seiner gesamten Geschichte – von der Nutzung in 1920er Jahren als Sommerhaus, der Vertreibung seiner jüdischen Besitzer in 1930er Jahren, über den Mauerbau unmittelbar auf dem Grundstück bis zur Wiedervereinigung – Zeuge und Zeugnis gesamtdeutscher Geschichte. Durch das beeindruckende Engagement der Nachfahren von Dr. Alfred Alexander und die Gewinnung lokaler und internationaler Helfer konnten im vergangenen Jahr erste Sicherungsmaßnahmen auf dem Grundstück erfolgen. Das Land hat die Restaurierungsmaßnahmen im Rahmen der Denkmalhilfe mit 32.000 Euro gefördert. Ich freue mich, dass durch das Zusammenwirken vieler Partner dieses Denkmal nicht nur restauriert, sondern künftig auch als Ort der Versöhnung und Völkerverständigung sowie für Forschung und Bildung genutzt werden soll. Dafür werden wir uns weiter einsetzen.“

Das Grundstück am Ufer des Groß Glienicker Sees sowie das darauf befindliche Gebäude befinden sich im Eigentum der Landeshauptstadt Potsdam. 2014 hat das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und das Archäologische Landesmuseum das Sommerhaus Alexander in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen. Damit wurde die wissenschaftliche, baugeschichtliche und geschichtliche Bedeutung des Gebäudes offiziell bestätigt. Die Stadtverordnetenversammlung würdigte 2014 mit einem Beschluss das Engagement des Vereins. Entsprechend dem Beschluss unterstützt die Landeshauptstadt Potsdam das Ziel, das Alexander Haus als Ort der Erinnerung, Versöhnung und Begegnung öffentlich zugänglich zu machen.

Der Verein Alexander-Haus e.V. wurde 2013 von Einwohnerinnen und Einwohnern des Ortsteils Groß Glienicke und Mitgliedern der Familie Alexander gegründet. Ziel des Vereins ist es, das Haus mit Grundstück als Ort der Erinnerung an die deutsch-jüdische Geschichte, der Versöhnung, Bildung und Begegnung zu restaurieren und für die Zukunft zu sichern. Hierzu arbeitet der Alexander-Haus e.V. mit lokalen und internationalen Partnern zusammen, unter anderem mit dem Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk und dem Avicenna-Studienwerk sowie der Universität Potsdam.

Die denkmalgerechte Instandsetzung des 1927 errichteten Sommerhauses hat bereits begonnen und soll Ende 2017 abgeschlossen werden. Sie wird aus privaten Spenden sowie Mitteln des Landes und des Bundes finanziert. Im Anschluss soll das Gelände weiter entwickelt werden, die Errichtung eines neuen Seminar-Gebäudes ist geplant.

Mit der Unterzeichnung des Nutzungsvertrags erhält der Verein eine rechtliche Grundlage für die Sanierung und Nutzung des Alexander-Hauses. Um dem Vorhaben eine verlässliche Grundlage zu geben, läuft der Nutzungsvertrag zwischen der Landeshauptstadt Potsdam und dem Verein für mindestens 30 Jahre.

Weitere Informationen zum Verein und dem Projekt sind unter www.alexanderhaus.org abrufbar.

Hintergrundinformationen zum Sommerhaus Alexander:

Von dem Gelände des ehemaligen Gutsparks in Groß Glienicke wurden ab 1927 Parzellen zur Bebauung abgeteilt. Eine dieser Parzellen pachtete der Berliner Arzt Dr. Alfred John Alexander vom Gutsbesitzer Otto von Wollank zur Errichtung eines Wochenend-Einfamilienhauses. Die schmale Parzelle erstreckt sich annähernd in Nord-Süd-Richtung von der Straße Am Park bis zum Ufer der Groß Glienicker Sees. Einige Meter vor dem Seeufer führt heute noch der Postenweg der ehemaligen Grenzbefestigungsanlagen aus der Zeit der deutschen Teilung über das Grundstück.

Das Haus diente in den ersten Jahren als Sommerfrische und Wochenendhaus der Familie Alexander. Die Bauausführung hatte Otto Lenz übernommen, Inhaber eines Berliner Baubetriebs, der sich auf Holz- und Holzhausbau spezialisiert hatte. Nach der Emigration von Dr. Alexander und seiner Familie im Jahr 1936 und der Nutzung durch den Komponisten und Verleger Will Meisel und die Schauspielerin Eliza llliard bis 1952, bewohnte von 1958 bis 2003 Familie Kühne das Haus. Hierzu erfolgten 1958 und später verschiedene Umbauten, wie der Einbau von zwei weiteren Schornsteinen und leichten Grundrissveränderungen (Bad, östlicher Flur, Eingangsveranda).

Auf dem südlichen, dem See zugewandten Teil des Grundstücks befindet sich das erhaltene Holzhaus als eingeschossiger Bau mit sehr flach geneigtem Walmdach. Die Nordfassade bildet die Eingangsseite mit zwei Eingangstüren und mit Schiebeläden zu verschließenden Schiebefenstern. Der östlichen Eingangstür wurde in den 1950er Jahren eine Veranda als Windfang vorgelagert. Die Südseite des Hauses wurde ursprünglich von einer teilüberdachten Terrasse geprägt, die dem in der Mitte gelegenen, leicht eingezogenen Wohnraum (Kaminzimmer) vorgelagert war. Diese Situation wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verändert und die Südwand im mittleren Bereich durch eine verputzte Mauerwerkswand mit einem dreiteiligen Fenster in der Flucht der seitlich angrenzenden Räume ersetzt. Der ursprüngliche Zustand ist in den historischen Fotografien gut nachvollziehbar und durch Befunde belegt. Erhalten sind die vorlagerte Terrasse aus Solnhofener Platten und die Treppenanlage zum Ufer hin.

Über die westliche Tür in der Nordfassade betritt man den kurzen Flur, der in den zentralen Wohnraum führt. Rechts und links des Wohnraums findet sich jeweils ein Schlafzimmer; das östliche war wohl das Elternschlafzimmer, während das westliche das Zimmer der Töchter war. Beide Zimmer waren ursprünglich vom Wohnraum aus zugänglich. Nördlich vor dem Wohnraum befinden sich im Westen das Bad und im Osten die Küche. Dieser Raum ist als einziger unterkellert. Im Keller befand sich die Feuerungsstätte der zentralen Raumluftheizung mit gemauerten, glatt verputzten Luftkanälen, die zu Bodenauslässen der Wohnräume führen. Als weitere Raumschicht befinden sich zwei weitere Schlafräume nördlich von Küche und Bad. Die Wand zwischen Küche und dem nördlich anschließenden Raum wurde später entfernt, ist aber noch nachvollziehbar. Über die östliche Eingangstür erreicht man das sogenannte Chauffeurzimmer, einen ursprünglich separaten Raum.

Die Konstruktion des Hauses besteht aus einer einfachen Pfosten-Riegel-Konstruktion, wie sie zur Zeit der Erbauung vielfach angewendet wurde. Eine umlaufende Schwelle (Kantholz ca. 6x6 cm) liegt auf einem Streifenfundament aus Backsteinmauerwerk auf. Pfosten und Riegel (4x6 cm und 6x6 cm bei den Eckpfosten) sind mit einer leicht profilierten Spundschalung verkleidet. Diese ist außen horizontal und innen vertikal angebracht. Die Aussteifung übernimmt augenscheinlich die Schalung. Die Stoßfugen der äußeren, dunkelbraunen Schalungsbretter sind mit vertikalen Leisten abgedeckt, die mit ihrer auffälligen roten Farbe zusammen mit den weiß und rot gestrichenen Fensterläden das Erscheinungsbild des Hauses bestimmen. Im Inneren waren die Schalungsbretter an Wänden und Decken in den einfacheren Räumen (Flur, Küche, Bad) einfarbig lackiert. Im Wohnraum und in drei von vier Schlafräumen waren die Wände mit Sperrholztafeln verkleidet, deren Stoßfugen wiederum mit grün lackierten Leisten abgedeckt waren. Hervorzuheben von der Innenausstattung ist eine Sammlung von Delfter Fliesen, die im zentralen Wohnraum über dem ehemaligen offenen Kamin in fünf Reihen zu je sechs Fliesen angebracht wurde und nach Aussage der Tochter Elsie von Dr. Alexander selbst gesammelt worden waren.

Als Sommerhaus gehört das kleine Gebäude in Potsdam zu den ersten seiner Art, im Zuge der in den 1920er Jahren aufkommenden „Wochenendbewegung“. Kurz vor Errichtung dieses Wochenendhauses wurde 1927 in Berlin die große Ausstellung „Das Wochenende“ gezeigt, die sich den in Amerika bereits eingeführten Begriff des „Weekend“ zunutze machte, um auch in Deutschland Ähnliches ins Leben zu rufen. Teilnehmer waren unter anderem Hans Poelzig, Max Taut, Harry Rosenthal und andere. Berlin war bei den in diesem Zusammenhang entstehenden Sommerhaus-Entwürfen führend, wie sich im Jahr 1932 an der ebenfalls auf dem Messegelände errichteten Musterhaus-Ausstellung „Sonne, Luft und Haus für alle“ zeigte, an der sich nahezu alle führenden Architekten der Zeit beteiligten (u.a. Erich Mendelsohn, die Brüder Taut, Hans Scharoun, Ludwig Hilberseimer, Otto Bartning). Als Zeitzeugnis für diese besondere Baugattung und den großen Markt, der dem bislang wenig erforschten Holzhausbau der 1920er und 30er Jahre beschieden war, kommt dem Sommerhaus Alexander wissenschaftliche und baugeschichtliche Bedeutung zu.

Große geschichtliche Bedeutung erhält das Haus als Auftragswerk des erfolgreichen jüdischen Arztes und Präsidenten der Berliner Ärztekammer Dr. Alfred Alexander. Wie erwähnt trafen sich zu besonderen Anlässen Freunde und illustre Bekannte der Familie, Treffen, die auch gefilmt wurden. Zu Dr. Alexanders berühmtesten Gästen zählen Albert Einstein, Lotte Jacobi und Max Reinhardt sowie zahlreiche weitere Künstler und Wissenschaftler der Berliner Gesellschaft. Die erhaltenen Filme zeigen Haus und Gästeschar, wobei das Gebäude vielfach als Ort des munteren Geschehens im Bild ist. Die Filme – und das Haus gleichsam als Bühne – legen damit ein spezielles Zeugnis eben jener Wochenendbewegung ab, die in den 1920er Jahren so großen Zuwachs erfuhr. Lotte Jacobi, die auch das Einstein-Haus in Caputh dokumentierte, hat das Haus photographisch festgehalten.

Das Sommerhaus wird seit Dezember 2016 denkmalgerecht instandgesetzt. Inzwischen ist die Sicherung der Substanz, vor allem des Daches, weitestgehend abgeschlossen. Die Arbeiten haben gezeigt, dass das Haus in deutlich besserem Zustand ist als ursprünglich befürchtet. Die Instandsetzung wird finanziert aus Mitteln des Denkmalrettungsfonds des Landes Brandenburg, Denkmalpflegemitteln des Bundes sowie umfangreichen privaten Spenden von Bürgern und Stiftungen aus Großbritannien, Deutschland und anderen Ländern.

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