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18.01.2013Erstmals Brandenburger Kunst-Förderpreis verliehen

Neues Fenster: Bild - Kunstförderpreis2013 - vergrößern Kulturministerin Sabine Kunst bei der Verleihung des Brandenburgischen Kunst-Förderpreis ©MWFK

Kulturministerin Sabine Kunst hat am Abend im Kunsthaus „sans titre“ in Potsdam erstmals den Brandenburgischen Kunst-Förderpreis (BKF) an Künstlerinnen und Künstler des Landes verliehen. Insgesamt wurden elf Preise vergeben, davon fünf in der Sparte Literatur, drei in der Sparte Bildende Kunst, zwei für Musik und einer für Darstellende Kunst.

Ministerin Kunst in ihrem Grußwort: „Künstlerinnen und Künstler leben auch von öffentlicher Anerkennung. Mit dem Preis, den wir heute erstmals verleihen, verfolgen wir auch die Absicht, den einzelnen Künstler stärker in den Blick zu nehmen und seine Leistung angemessen zu würdigen. Die Stiftung des Brandenburgischen Kunst-Förderpreises ist auch nur möglich, weil wir – trotz der schwierigen Haushaltslage – den Stipendien-Etat unseres Hauses verdoppeln konnten“. Die Bewerberzahl für ein Stipendium des Landes sei seit 2011 von 100 auf jetzt über 300 gestiegen, so Kunst.

 

Im Einzelnen wurden folgende Preise vergeben:

Literatur/Übersetzung/Dramatik: Vera Kissel, Bettina Abarbanell, Julia Schoch, Ralf Findeisen und Antje Wagner (alle Potsdam)

Auszüge aus der Beurteilung der Jury:

Die Potsdamer Schriftstellerin Vera Kissel ist als Dramatikerin immer wieder mit neuen und überraschenden Texten in Erscheinung getreten, uraufgeführt u.a. am Berliner Maxim-Gorki-Theater und am Düsseldorfer Schauspielhaus. Ihr Drehbuch für den Spielfilm „Die Anruferin“ war 2009 für den „prix europa“ nominiert. Für ihr Stück „Mondkind“ wurde sie mit dem Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet.

Die Potsdamer Literaturübersetzerin Bettina Abarbanell hat sich durch ihre so präzisen wie virtuosen Übertragungen der Welterfolge „Freiheit“ und „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen sowie mit Neuübersetzungen von Klassikern wie „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald einen Namen gemacht. Mit der Übersetzung des Debütromans „The Orchadist“ der US-Amerikanerin Amanda Coplin wird sie dem deutschsprachigen Lesepublikum eine wichtige neue Erzählerin vorstellen.

Die renommierte Potsdamer Autorin Julia Schoch ist durch eine Reihe hochgelobter Romane und Erzählungen hervorgetreten, etwa „Der Körper des Salamanders“, „Mit der Geschwindigkeit des Sommers“ und „Selbstporträt mit Bonaparte“. Auch als Übersetzerin aus dem Französischen hat sie mit ihrem Sprachgefühl und ihrer hohen Musikalität auf sich aufmerksam gemacht. Für die Übersetzung des Romans „Haut und Knochen“ von Georges Hyvernaud wurde sie mit dem André-Gide-Preis ausgezeichnet.

Der Autor Ralph Findeisen beherrscht laut Jury die „literarische Verknappung und den philosophischen Diskurs“. Seine Bücher sind in der Verbindung von Literatur und Essay genreübergreifend. In seinem aktuellen Projekt „Die Mission“ geht es ihm auch um die kulturphilosophische Auseinandersetzung mit der Pop-Kultur.

Antje Wagner gilt als eine der 20 besten deutschsprachigen Autorinnen unter 40 Jahre. Viele Romane, in denen sie immer wieder neue literarische Formen erprobte, stehen dafür. Auch in ihrem neuen Buchprojekt „Unsichtbare Gegner“ will sie wiederum die Grenzen und Möglichkeiten neuer Formen und Dramaturgien ihrer Buch-im-Buch-Idee ausloten, so die Jury.

 

Bildende Kunst: Tina Flau, Katrin von Lehmann (beide Potsdam) und Ulrike Hogrebe (Gollenberg/Havelland)

Die Jury:

Der konzeptionelle Ansatz von Tina Flaus Arbeitsweise meint grundsätzlich ein ernstes Spiel mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten, die sie zeichenhaft verdichtet und grenzüberschreitend kombiniert. In ihrem jüngsten Projekt „Fremder Garten – Garten der Fremden“ thematisiert sie die historische Ansiedlung der Hugenotten in Preußen, bezogen auf Toleranz damals wie heute.

Ausgehend von in gleichförmigen Streifen geschnittenen großformatigen Fotografien, die zu einem räumlichen Bezugssystem organisiert und zu neuer Aussage gebracht werden, zielt Katrin von Lehmanns künstlerische Auseinandersetzung auf komplexe Zusammenhänge von Mensch und Natur. Im jüngsten Vorhaben „Die Feigenmauer aufdecken“ lässt sie sich von der Liste eines Hofgärtners aus dem 19. Jahrhundert inspirieren und verbindet Fragen von Wachstum, Gestaltung, Garten, Bild und Gesellschaft.

Mit hintergründigen Figurationen, die oft in rätselhafte Episoden gestellt sind, zielt Ulrike Hogrebe auf die immerwährenden existenziellen Zusammenhänge, die sie zu kleinen Bildgeschichten formt. In ihrem aktuellen Ausstellungsprojekt „Tagebuchnotizen vom Lande“ spürt sie anhand eigener Erfahrungen den Erscheinungen ländlichen Daseins nach, betreibt gewissermaßen Spurensuche nach dem Humanen, so das Urteil der Jury.

Musik/Komposition: Ursula Weiler (Nordostuckermark) und das Jacaranda-Ensemble (Dahlewitz/TF)

Die Jury:

Ursula Weiler ist Initiatorin verschiedener Musikprojekte. In dem eingereichten Projekt geht es um die komplexe Erschließung einer Partitur des zeitgenössischen italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino und die Erarbeitung neuer Spieltechniken auf der Flöte. Der Preis würdigt darüber hinaus die bisherige Arbeit des Ensembles „Quillo“.

Das Projekt des Ensembles „Jacaranda“ nutzt künstlerische Ressourcen fest angestellter Brandenburger Musiker, um für das Land ein bisher einmaliges und sozial-pädagogisch wertvoll erscheinendes Angebot zu unterbreiten. Gewürdigt wird die Initiative der Musiker, über ihren Dienstalltag hinaus kontinuierlich künstlerische Akzente zu setzen.

Darstellende Kunst: Golde Grunske (Choreografin Cottbus)

Beurteilung der Jury:

Die Arbeiten von Golde Grunske zeichnen sich durch die konsequente langjährige Entwicklung und Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen aus. Dabei stellt sie sich bewusst außerhalb eines auf leicht konsumierbare Bühnenereignisse ausgerichteten Theaterbetriebs. Ihre choreografischen Arbeiten überzeugen sowohl mit ihrer sehr originären künstlerischen Sprache als auch mit dem Ansatz, diese Bühnensprache in einem sehr konkreten Kontext zu entwickeln. Das von ihr vorgestellte Projekt hat die Aufarbeitung der Haftzustände im Strafvollzug der DDR vor allem für politische Gefangene zum Inhalt. Auf dem Gelände der ehemaligen Cottbuser Strafvollzugsanstalt sollen sie durch musikalisch begleitete Choreografien erlebbar gemacht werden. Die langjährige erfolgreiche Arbeit der Choreografin Golde Grunske legt nach Meinung der Jury nahe, dass auch dieses Projektvorhaben erfolgreich umgesetzt wird.

Die Bewerbungen im Bereich Literatur votierten:

Der Literaturwissenschaftler Dr. Peter Walther vom Brandenburgischen Literaturbüro Potsdam, der Schriftsteller und Dramatiker John von Düffel sowie der Literaturwissenschaftler und Potsdamer Buchhändler Carsten Wist.

Für die Bildende Kunst votierten:

Der Kunstwissenschaftler Herbert Schirmer, der Kunstwissenschaftler und Kustos der Sammlung Bildende Kunst im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus Jörg Sperling sowie Prof. Jo Achermann, seit 1994 Inhaber des Lehrstuhls „Plastisches Gestalten“ an der BTU Cottbus.

In die Jury Musik berufen waren:

Konstanze Sander, Generalsekretärin des Landesmusikrates Brandenburg, Klaus Beyer, Intendant des Filmorchesters Babelsberg und Frauke Roth, Geschäftsführerin der Kammerakademie Potsdam.

Für den BKF im Bereich Darstellende Kunst votierten:

Der Freie Theaterproduzent und Choreograf Wolfgang Hoffmann, der Geschäftsführer und künstlerische Leiter des „T-Werk Potsdam e.V.“, Dr. Jens-Uwe Sprengel, sowie die Leiterin Theaterpädagogik im Messe- und Veranstaltungszentrum „Kleistforum“ Frankfurt (Oder), Caroline Schließmann.

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